Stricken lernen für Anfänger: Schritt für Schritt zum ersten eigenen Projekt
Stricken ist ein zeitloses Handwerk, das Kreativität mit Entspannung verbindet. Mit den richtigen Grundlagen, passendem Material und klaren Anleitungen gelingt dir der Einstieg mühelos. Hier erfährst du, wie du Maschen anschlägst, Grundmuster strickst und typische Fehler von Beginn an vermeidest.
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Der Einstieg ins Stricken: Aller Anfang ist leichter als gedacht
Wer mit dem Stricken beginnt, steht oft vor einer Vielzahl an Begriffen, Nadelstärken und Garnqualitäten. Das Handwerk wirkt auf den ersten Blick komplex, lässt sich jedoch auf wenige elementare Bewegungsabläufe herunterbrechen. Jedes noch so anspruchsvolle Strickstück basiert im Grunde auf zwei Grundelementen: rechten und linken Maschen.
Wenn du diese beiden Techniken beherrschst und verstehst, wie eine Masche aufgebaut ist, kannst du bereits unzählige Muster kreieren. Stricken schult die Feinmotorik, fördert die Konzentration und sorgt nachweislich für mentale Ruhe. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, zu Beginn nicht zu viel auf einmal zu wollen, sondern sich auf ein handhabbares Einstiegsprojekt zu konzentrieren.
Die Grundausstattung: Was du wirklich für den Start benötigst
Für deine ersten Strickversuche benötigst du kein riesiges Sortiment an Zubehör. Eine solide Basisausstattung reicht völlig aus, um die Grundlagen sauber einzuüben. Es lohnt sich jedoch, von Anfang an auf verlässliche Qualität zu achten, da minderwertiges Garn splittern oder stumpfe Nadeln das Maschenbild unnötig verziehen können.
Die passenden Stricknadeln auswählen
Stricknadeln unterscheiden sich nach Material, Form und Stärke. Für absolute Anfänger empfehlen sich Nadeln mit mittlerer Stärke, idealerweise zwischen 4,0 mm und 5,0 mm. Bei dieser Stärke sind die Maschen groß genug, um jeden Handgriff genau zu erkennen, ohne dass das Strickstück zu unhandlich wird.
Hinsichtlich des Materials bieten sich folgende Optionen:
- Holz oder Bambus: Diese Nadeln bieten eine leicht griffige Oberfläche. Das Garn rutscht nicht so schnell unkontrolliert von der Nadel, was besonders bei den ersten Versuchen vor verloren gegangenen Maschen schützt.
- Metall (Aluminium oder Messing): Metallnadeln sind extrem glatt und ermöglichen ein zügiges Arbeiten. Für Anfänger können sie stellenweise zu rutschig sein, eignen sich aber hervorragend, sobald die Bewegungsabläufe flüssig sitzen.
- Kunststoff: Leicht und flexibel, meist bei sehr dicken Nadelstärken ab 7,0 mm im Einsatz.
Für den Start wird häufig zu einer Rundstricknadel mit einer Seillänge von 60 bis 80 cm geraten. Selbst wenn du vorerst nur flache Stücke in Hin- und Rückreihen strickst, liegt das Gewicht des Gestrickten auf dem flexiblen Seil in deinem Schoß und entlastet so deine Handgelenke.
Das richtige Garn für den Start
Garn ist nicht gleich Garn. Wer mit stark flauschigen Garnen wie Mohair oder strukturierten Bouclé-Garnen beginnt, verliert schnell den Überblick über den Maschenverlauf. Ein Verheddern oder mühsames Auftrennen ist vorprogrammiert.
Wähle für deine ersten Übungen ein glattes, gut verzwirntes Garn in einer hellen, einheitlichen Farbe. Helle Töne wie Naturweiß, Hellgrau, Beige oder Pastellfarben reflektieren das Licht gut, sodass du die einzelnen Maschenglieder deutlich siehst. Wolle-Mischungen mit Polyacryl oder reine Merinowolle mit einer mittleren Lauflänge (ca. 90 bis 120 Meter auf 50 Gramm) bieten ein ausgewogenes Maschenbild und verzeihen kleinere Unregelmäßigkeiten bei der Fadenspannung.
Nützliches Zubehör am Arbeitsplatz
Neben Nadeln und Garn gibt es einige kleine Helfer, die dir die Arbeit erheblich erleichtern:
- Wollnadel (Stopfnadel): Eine stumpfe Nadel mit großem Öhr zum Vernähen der Fadenenden.
- Scharfe Handarbeitsschere: Zum sauberen Abschneiden des Arbeitsfadens ohne Ausfransen.
- Maßband: Zum regelmäßigen Überprüfen der Maße und der Maschenprobe.
- Maschenmarkierer: Kleine Kunststoffringe oder Spangen, um Mustersätze oder Zu- und Abnahmen zu kennzeichnen.
| Werkzeug / Material | Empfohlene Variante | Vorteil für Einsteiger |
|---|---|---|
| Stricknadeln | Rundstricknadel 4,5 mm aus Holz/Bambus | Guter Grip, rutschfest, schont die Handgelenke |
| Garn | Glattes Merinogarn oder Schurwollgemisch | Klare Maschendefinition, kein Splittern |
| Farbe | Helle Unis (Creme, Pastell, Hellgrau) | Fehler und Maschenstrukturen sofort erkennbar |
| Zubehör | Stumpfe Wollnadel & Maßband | Saubere Abschlüsse und exakte Maßkontrolle |
Die Banderole verstehen: Garnangaben richtig lesen
Jedes Knäuel Wolle ist mit einer Banderole versehen. Diese Papierbanderole enthält alle wesentlichen technischen Informationen, die du für die Umsetzung eines Projekts kennen musst. Es empfiehlt sich, die Banderole bis zur Fertigstellung deines Projekts aufzubewahren.
Wichtige Kennzahlen im Überblick
Auf der Banderole findest du standardisierte Angaben:
- Zusammensetzung: Gibt die Rohstoffe in Prozent an, etwa 70 % Schurwolle und 30 % Polyamid.
- Lauflänge und Gewicht: Zeigt an, wie viele Meter Garn pro Knäuel enthalten sind (beispielsweise 100 Meter / 50 Gramm). Diese Angabe ist entscheidend, um den Garnverbrauch für eigene Projekte zu berechnen.
- Empfohlene Nadelstärke: Ein Nadel-Symbol mit einer Zahlenspanne (z. B. 4,0–5,0) gibt an, mit welchen Werkzeuggrößen das Garn verarbeitet werden sollte.
- Farb- und Partienummer: Die Farbnummer identifiziert den Farbton, die Partienummer (Lot-Nummer) kennzeichnet das jeweilige Färbebad. Achte beim Kauf mehrerer Knäuel für ein Projekt stets auf identische Partienummern, um sichtbare Farbschattierungen im fertigen Gestrick zu vermeiden.
- Pflegehinweise: Symbole zur Waschtemperatur, Handwäsche, Bügelstufe und Trocknung.
Die ersten Schritte: Die vier elementaren Grundtechniken
Um eigenständig stricken zu können, musst du vier grundlegende Bewegungsabläufe verinnerlichen. Nimm dir ausreichend Zeit, um jeden Schritt einzeln auszuführen, bis sich eine gleichmäßige Handhaltung einstellt.
1. Der Maschenanschlag
Jedes Strickstück beginnt mit dem Anschlagen von Maschen auf die Nadel. Die gebräuchlichste und vielseitigste Methode ist der Kreuzanschlag (auch Daumenanschlag genannt). Er ergibt einen elastischen, haltbaren und optisch sauberen Rand.
Für den Kreuzanschlag misst du zunächst ein ausreichend langes Fadenende ab. Als Faustregel gilt: Die Fadenlänge für den Anschlag entspricht etwa der dreifachen Breite des geplanten Strickstücks. Der Arbeitsfaden, der zum Knäuel führt, wird über den Zeigefinger gelegt, während das herabhängende Fadenende um den Daumen der linken Hand geführt wird. Mit der Nadel greifst du den Faden in einer definierten Schlaufenbewegung auf, ziehst ihn durch und fixierst so Masche für Masche auf der Nadel. Die Maschen sollten locker auf der Nadel liegen und sich ohne Kraftaufwand hin- und herschieben lassen.
2. Rechte Maschen stricken
Die rechte Masche ist die am häufigsten verwendete Maschenart. Sie erzeugt auf der Vorderseite ein flaches, glattes V-Muster. Bei der kontinentalen Strickweise, die im deutschsprachigen Raum üblich ist, liegt der Faden hinter der Arbeit.
Du führst die rechte Nadel von links nach rechts in das vordere Maschenglied der ersten Masche auf der linken Nadel ein. Der Faden wird mit der rechten Nadelspitze von hinten nach vorn durch die Masche geholt. Danach lässt du die ursprüngliche Masche von der linken Nadel gleiten. Auf der rechten Nadel liegt nun die neu gebildete rechte Masche.
3. Linke Maschen stricken
Linke Maschen ergänzen die rechten Maschen und bilden auf der Vorderseite eine horizontale Rille bzw. einen Querfaden. Sie sind essenziell für elastische Bündchenmuster oder strukturierte Stoffe.
Beim Stricken einer linken Masche führst du den Arbeitsfaden vor die Arbeit. Die rechte Nadel wird von rechts nach links in das Maschenglied auf der linken Nadel eingestochen. Der Faden wird mit der Nadelspitze von oben gegriffen und durch die Schlinge nach hinten geschoben. Anschließend gleitet die alte Masche von der linken Nadel.
4. Das Abketten
Damit sich die Maschen am Ende deiner Arbeit nicht wieder auflösen, müssen sie abgekettet werden. Auch hierfür gibt es eine standardisierte Methode, die eine saubere Kante liefert.
Stricke zunächst zwei Maschen mustergemäß ab. Auf der rechten Nadel befinden sich nun zwei Maschen. Steche mit der linken Nadelspitze in die zuerst gestrickte (hintere) Masche ein und hebe sie vorsichtig über die zweite (vordere) Masche sowie über die Nadelspitze hinweg. Es verbleibt eine Masche auf der rechten Nadel. Stricke eine weitere Masche ab und wiederhole den Vorgang so lange, bis nur noch eine Einzelschlinge übrig ist. Schneide den Arbeitsfaden mit etwa 15 cm Restlänge ab und ziehe ihn vollständig durch diese letzte Schlinge fest.
Die Fadenspannung: Die Basis für ein gleichmäßiges Maschenbild
Ein häufiges Phänomen bei Neulingen ist ein unregelmäßiges Strickbild: Einige Maschen geraten sehr stramm, andere wiederum locker und weit. Die Ursache liegt fast ausnahmslos in einer ungleichmäßigen Führung des Arbeitsfadens.
Der Faden wird üblicherweise mehrfach um die Finger der linken Hand gewickelt, beispielsweise einmal um den kleinen Finger und anschließend über den Zeigefinger. Dadurch entsteht ein sanfter, kontrollierter Widerstand. Versuche, während des gesamten Strickvorgangs die Hände entspannt zu halten. Zu festes Ziehen erschwert das Einstechen in der Folgereihe und führt zu verkrampften Handgelenken. Ein lockeres, gleichmäßiges Gleiten des Garns stellt sich mit etwas Übung automatisch ein.
Erste einfache Strickmuster aus rechten und linken Maschen
Allein durch das planvolle Kombinieren von rechten und linken Maschen entsteht eine breite Vielfalt an Mustern, ohne dass komplexe Zu- oder Abnahmen erforderlich sind.
Kraus rechts
Das einfachste aller Strickmuster entsteht, wenn du sowohl die Hinreihen als auch die Rückreihen ausschließlich mit rechten Maschen strickst. Das Ergebnis ist ein elastisches, dickes Gewebe mit Querrippen auf beiden Seiten. Ein großer Vorzug für Anfänger: Das Gestrick rollt sich an den Rändern nicht ein und eignet sich perfekt für Topflappen, Untersetzer oder einfache Schals.
Glatt rechts
Glatt rechts ist das klassische Strickbild vieler Pullover. Es entsteht, indem die Hinreihen mit rechten Maschen und die Rückreihen mit linken Maschen gearbeitet werden. Auf der Vorderseite entsteht eine glatte Oberfläche mit V-förmigen Maschen, auf der Rückseite eine wellenförmige Struktur. Beachte: Glatt rechts neigt an den Kanten stark zum Einrollen. Es empfiehlt sich daher, die Ränder mit einigen Maschen kraus rechts oder einem Rippenmuster einzufassen.
Rippenmuster (1×1 oder 2×2)
Durch den ständigen Wechsel von rechten und linken Maschen in einer Reihe (z. B. 1 Masche rechts, 1 Masche links im Wechsel) entsteht ein stark dehnbares, längsgestreiftes Gewebe. In den folgenden Reihen werden die Maschen immer so gestrickt, wie sie erscheinen: Rechte Maschen werden rechts gestrickt, linke Maschen links. Rippenmuster sind der Standard für Mützenabschlüsse, Pullover-Bündchen und Sockenbünde, da sie formstabil am Körper anliegen.
Perlmuster
Das Perlmuster kombiniert rechte und linke Maschen versetzt. In der ersten Reihe strickst du abwechselnd 1 Masche rechts und 1 Masche links. In der Rückreihe versetzt du das Prinzip: Über jeder rechten Masche wird eine linke Masche gestrickt, über jeder linken Masche eine rechte Masche. Es entsteht eine körnige, perlartige Struktur, die optisch ansprechend ist, sich nicht einrollt und formbeständig bleibt.
| Mustername | Hinreihe | Rückreihe | Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| Kraus rechts | Alle Maschen rechts | Alle Maschen rechts | Rippenstruktur, rollt nicht ein, dick |
| Glatt rechts | Alle Maschen rechts | Alle Maschen links | Klassisches V-Muster, rollt sich an Kanten ein |
| Rippenmuster 1×1 | 1 rechts, 1 links im Wechsel | Maschen stricken, wie sie erscheinen | Hochgradig elastisch, formstabil für Bündchen |
| Kleines Perlmuster | 1 rechts, 1 links im Wechsel | 1 links, 1 rechts im Wechsel (versetzt) | Strukturierte Oberfläche, fest, rollt nicht |
Die Maschenprobe: Warum sie für jedes Projekt unverzichtbar ist
Jeder Mensch strickt individuell. Selbst bei identischer Nadelstärke und demselben Garn fallen die Maschen bei manchen Strickerinnen eng und fest aus, während andere sehr locker arbeiten. Aus diesem Grund ist die Maschenprobe das zentrale Kontrollinstrument vor Beginn eines maßhaltigen Projekts.
So erstellst du eine exakte Maschenprobe
Schlage etwa sechs bis acht Maschen mehr an, als auf der Banderole für ein 10 x 10 cm großes Quadrat angegeben sind. Stricke dieses Probestück im vorgesehenen Projektmuster über mindestens 12 bis 14 cm Höhe. Kette die Maschen locker ab.
Lege das Strickstück flach auf eine ebene Unterlage, ohne es dabei auseinanderzuziehen. Nimm ein stabiles Maßband oder einen Zählrahmen zur Hand. Markiere dir einen Bereich von exakt 10 cm in der Breite und zähle die darin liegenden Maschen. Zähle anschließend die Reihen auf einer Höhe von 10 cm.
Ergebnisse richtig auswerten
Weichen deine gezählten Werte von den Angaben der Anleitung oder Banderole ab, musst du die Nadelstärke anpassen:
- Zu viele Maschen auf 10 cm: Du hast fester gestrickt als angegeben. Dein fertiges Kleidungsstück würde zu klein und steif werden. Lösung: Wechsle auf eine halbe oder ganze Nadelstärke größer.
- Zu wenige Maschen auf 10 cm: Du strickst lockerer als die Referenz. Das Projekt würde zu weit ausfallen und an Formstabilität verlieren. Lösung: Wechsle auf eine kleinere Nadelstärke.
Ideale Anfängerprojekte: Mit Erfolgserlebnissen starten
Um die Freude am Stricken langfristig zu erhalten, ist die Wahl des ersten Projekts entscheidend. Ein Pullover mit komplexen Ärmelausschnitten und Jacquardmuster überfordert zu Beginn fast jeden Einsteiger. Starte mit geradlinigen Projekten ohne Zunahmen und Abnahmen.
Projekt 1: Der klassische Schal im Kraus-Rechts-Muster
Ein Schal ist der ideale Einstieg. Er besteht aus einer simplen rechteckigen Bahn. Hier kannst du dich ganz auf eine gleichmäßige Fadenspannung und saubere Randmaschen konzentrieren. Wähle ein weiches Nadelstärke-6-Garn, schlage 30 bis 35 Maschen an und stricke fortlaufend rechte Maschen, bis die gewünschte Länge von etwa 160 bis 180 cm erreicht ist. Abschließend abketten und die Fäden vernähen.
Projekt 2: Ein Stirnband mit Twist
Ein Stirnband ist schnell gestrickt und liefert innerhalb weniger Stunden ein tragbares Resultat. Du schlägst etwa 20 Maschen an und strickst ein Band im Rippen- oder Perlmuster, bis es dem Kopfumfang entspricht (ca. 50 bis 52 cm). Die beiden Enden werden am Schluss so zusammengelegt, ineinandergeschoben und vernäht, dass auf der Vorderseite eine dekorative Raffung (Twist) entsteht.
Projekt 3: Spültücher oder Topflappen aus Baumwolle
Baumwoll-Spültücher sind nachhaltig, waschbar und hervorragende Übungsobjekte für Mustervariationen. Auf einem kleinen Quadrat von 22 x 22 cm kannst du verschiedene Muster wie Perlmuster, Waffelmuster oder diagonale Rippen erproben. Da es sich um Gebrauchsgegenstände handelt, fallen kleine Unregelmäßigkeiten im Alltag nicht negativ ins Gewicht.
Typische Anfängerfehler erkennen und korrigieren
Fehler gehören zum Lernprozess dazu und treten bei jedem Einsteiger auf. Nahezu jedes Strickproblem lässt sich ohne Frust beheben, wenn man die Ursache versteht.
Das Strickstück wird unbemerkt breiter
Ein sehr verbreitetes Phänomen: Du hast mit 30 Maschen begonnen, zählst nach 20 Reihen nach und hast plötzlich 34 Maschen auf der Nadel. Das passiert meist an zwei Stellen:
- Die Randmasche falsch abgestrickt: Beim Wenden der Arbeit wird der Arbeitsfaden versehentlich über die Nadel nach hinten gezogen. Dadurch erscheinen die zwei Schenkel der darunterliegenden Randmasche wie zwei eigenständige Maschen auf der Nadel. Werden beide abgestrickt, vergrößert sich die Maschenzahl um eins. Achte darauf, dass der Faden locker unten liegt und die Randmasche als eine Einheit abgestrickt wird.
- Ungewollte Umschläge: Wenn der Faden versehentlich über die Nadel gelegt statt durch die Masche gezogen wird, bildet sich in der Folgereihe eine zusätzliche Schlinge mit einem Loch.
Verlorene Maschen retten
Rutscht eine Masche unbemerkt von der Nadel, ribbelt sie sich Reihe für Reihe nach unten auf. Panik ist hier unnötig – die Masche ist nicht verloren. Lege die Arbeit flach hin. Nimm eine feine Häkelnadel zur Hand, führe sie von vorn durch die gefallene Maschenschlinge, greife den darüberliegenden Querfaden der vorherigen Reihe und ziehe ihn durch die Schlaufe. Wiederhole diesen Schritt, bis du wieder auf Höhe deiner Arbeitsnadel angekommen bist, und setze die Masche korrekt orientiert zurück auf die Stricknadel.
Maschen sind zu fest auf der Nadel
Lässt sich die Nadelspitze kaum in die Masche schieben, arbeitest du vermutlich zu nah an den Nadelspitzen oder ziehst den Faden nach jedem Durchholen aktiv stramm. Achte darauf, dass die Masche auf dem Schaft der Nadel geformt wird – dieser bestimmt den finalen Durchmesser, nicht die verjüngte Spitze. Lass den Faden locker durch die Finger laufen, anstatt ihn festzuhalten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie halte ich Stricknadeln und Faden am besten?
Es gibt zwei globale Haupttechniken: die kontinentale Methode (der Faden liegt auf der linken Hand) und die englische Methode (der Faden wird mit der rechten Hand um die Nadel geworfen). Im deutschsprachigen Raum wird fast ausschließlich die kontinentale Methode gelehrt, da sie ergonomischer ist, schnellere Arbeitsabläufe erlaubt und weniger ausladende Handbewegungen erfordert. Probiere aus, wie der Faden am besten über Zeige- und Mittelfinger deiner linken Hand gleitet, um eine stabile, aber entspannte Spannung aufzubauen.
Welche Nadelstärke eignet sich für absolute Neulinge am besten?
Nadelstärken zwischen 4,0 mm und 5,0 mm sind ideal. Dünnere Nadeln (wie 2,0 bis 3,0 mm) erfordern sehr feine Bewegungen und führen bei Anfängern oft zu Verkrampfungen, während das Projekt nur langsam wächst. Sehr dicke Nadeln ab Stärke 8,0 mm sind wiederum unhandlich und erschweren die korrekte Handhaltung. Die mittlere Stärke bietet optimale Sichtbarkeit jeder einzelnen Masche bei angenehmem Griff.
Sollte ich lieber mit Jackennadeln oder Rundstricknadeln beginnen?
Die klare Empfehlung lautet: Rundstricknadeln. Die klassischen langen Jackennadeln mit Endknopf stoßen oft an Armlehnen oder den Körper an und belasten durch ihre Hebelwirkung die Sehnen im Handgelenk. Auf einer Rundstricknadel ruht das Hauptgewicht der Arbeit flexibel auf dem Seil. Zudem kannst du auf einer Rundstricknadel sowohl flache Reihen als auch nahtlose Runden stricken.
Wie erkenne ich den Unterschied zwischen rechten und linken Maschen?
Rechte Maschen weisen auf der Vorderseite ein glattes, nach unten geöffnetes V auf. Sie wirken flach und ziehen das Gestrick optisch in die Länge. Linke Maschen zeichnen sich durch ein horizontales Knötchen (einen Querfaden) direkt unterhalb der Nadel aus. Ein bewährter Merksatz lautet: Siehst du ein V, strickst du rechts; siehst du einen Querstrich (Knötchen), strickst du links.
Was bedeutet der Begriff Maschenprobe und warum ist sie wichtig?
Die Maschenprobe ermittelt, wie viele Maschen und Reihen deines individuellen Strickstils eine Fläche von 10 x 10 cm ergeben. Da jeder Mensch mit abweichender Spannung arbeitet, weicht das Resultat oft von Standardangaben ab. Ohne Maschenprobe läufst du Gefahr, dass Kleidungsstücke wie Mützen, Socken oder Pullover nach stundenlanger Arbeit deutlich zu groß oder zu eng ausfallen.
Was kann ich tun, wenn mein Maschenbild ungleichmäßig aussieht?
Ungleichmäßige Maschen sind in der Anfangsphase völlig normal, da das Muskelgedächtnis für die Fadenspannung Zeit benötigt. Wähle ein formstabiles Garn mit hohem Schurwollanteil, da Naturfasern elastischer sind als reine Pflanzenfasern (wie Leinen oder unelastische Baumwolle). Häufig gleicht sich das Maschenbild zudem nach der ersten schonenden Wäsche und dem anschließenden Liegendtrocknen deutlich aus.
Wie berechne ich die Fadenlänge für den Kreuzanschlag?
Um zu verhindern, dass der Faden vor dem Anschlagen der letzten Masche ausgeht, kannst du folgende Formel anwenden: Wickle das Garn so oft locker um deine Stricknadel, wie du Maschen anschlagen möchtest. Diese abgemessene Länge entspricht dem benötigten Fadenabschnitt. Gib zur Sicherheit noch etwa 15 bis 20 Zentimeter für das spätere Vernähen hinzu.
Was mache ich, wenn ein Knäuel zu Ende ist und ein neues beginnt?
Verknote die Fadenenden niemals mitten im Gestrick, da Knoten auf der Haut spürbar sind und sich mit der Zeit lösen können. Wechsle das Knäuel am besten am Reihenanfang oder -ende. Alternativ kannst du die Fäden über mehrere Maschen hinweg doppelt verstricken oder die sogenannte Russian-Join-Methode anwenden, bei der die Enden mit einer Nadel ineinander geschlauft werden. Die überstehenden Enden werden nach Fertigstellung auf der Rückseite unsichtbar vernäht.
Kann man Stricken auch als Linkshänder lernen?
Ja, problemlos. Viele Linkshänder lernen die reguläre kontinentale Methode, da beim Stricken ohnehin beide Hände aktiv im Zusammenspiel arbeiten (die linke Hand führt den Faden, beide Nadeln bewegen sich). Alternativ kann spiegelverkehrt gestrickt werden, wobei die Maschen von der rechten auf die linke Nadel wandern und der Faden rechts geführt wird. Für beide Varianten gibt es erprobte Methoden und detaillierte Schemata.